Drei Fragen zur Vier-Tage-Woche

Marion Salot, Referentin der Geschäftsführung

28. März 2024

Nur vier Tage arbeiten – klingt doch gut, oder? 
Marion Salot: Das klingt gut, wir müssen allerdings zunächst einmal definieren, über welches Modell wir dabei reden. Ohne vollen Lohnausgleich könnten sich die wenigsten Menschen im Land Bremen eine Vier-Tage-Woche leisten. Und wenn ich von Montag bis Donnerstag zehn Stunden täglich arbeiten muss, um freitags frei zu haben, hat das auch Nachteile. Zum Beispiel zeigen Studien, dass schon am Ende eines Acht-Stunden-Tages die Fehleranfälligkeit und Unfallgefahr zunimmt. Andererseits gibt es auch Studien, die zeigen, dass die Beschäftigten bei einer Vier-Tage-Woche seltener krank sind. Gleichzeitig steigt die Motivation und damit auch die Produktivität. Hiervon profitieren nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Betriebe.

Für welche Branchen kommt die Vier-Tage-Woche überhaupt in Frage? 
Die Grundidee hinter der Vier-Tage-Woche war: Durch die Digitalisierung steigt die Produktivität und damit ergibt sich Spielraum, um die Arbeitszeit zu verkürzen. Industrieunternehmen, aber auch einige Handwerksbetriebe experimentieren bereits mit diesem Modell. Sie versuchen sich so für Fachkräfte attraktiver aufzustellen. Diese Produktivitätsgewinne lassen sich aber nicht überall realisieren. Beispielsweise in der Pflege und in den Kitas. Hier ist der Fachkräftebedarf so groß, dass die Einführung einer Vier-Tage-Woche ein riskantes Unterfangen ist. Es besteht die Gefahr, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit bei den Beschäftigten zu mehr Stress und einer weiteren Verdichtung von Arbeit führt. Aber auch in der Pflege wird mit dem Modell versucht, Fachkräfte zu gewinnen. So testet das Diako-Klinikum in Bremen ab April die Vier-Tage-Woche für Pflegekräfte – bei gleichbleibender Stundenzahl und entsprechend längeren Arbeitstagen.

Hilft es Menschen mit Familie, wenn nur noch beispielsweise von Montag bis Donnerstag gearbeitet wird? 
Weniger Stunden zu arbeiten kann Familien natürlich grundsätzlich zugute kommen. Wenn es dann aber so aussieht, dass der Vater an vier Tagen praktisch gar nicht für Kinderbetreuung und Haushalt zur Verfügung steht und dann am Freitag frei hat, wenn die Kinder sowieso in der Kita oder Schule sind, wird sich dies eher negativ auf eine gerechte Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit auswirken. Um für mehr Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen ist es wichtig, dass sich die Arbeitszeiten von Männern und Frauen angleichen. Wir machen uns deshalb für eine flexiblere und lebensabschnittsbezogene Gestaltung der Arbeitszeit stark. Die Vier-Tage-Woche kann da eine Möglichkeit von vielen sein. 

Fragen: Anna Zacharias
Foto: Canva

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